Wer lacht hat noch Reserven. Eine humoristische Aufarbeitung
Das musst du gesehen haben. Das musst du gelesen haben. Da musst du reingeh‘n. Das musst du doch einseh‘n. Das musst du mal anders seh‘n. Das musst du doch versteh‘n. Das musst du dringend hinkriegen. Das musst du wieder gradebiegen. Du musst mitmarschieren. Du musst mit dir harmonieren. Du musst sie sein, die Siegerin. Ich muss gar nix!
Deutsche Familiendynastien werden in Dokus mit Stolz und Achtung in Dokus verarbeitet. Es geht um Marken und Unternehmen, die in der x-ten Generation bestehen – Weltkriege überstanden haben, weltbekannt und relevant sind. Es geht um Firmen, die resilient sind, im Sinne von Krisenfestigkeit, Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Entwicklungsfähigkeit. Deren Familienmitglieder einen Nachnamen tragen, der verpflichtet. Es geht um Erwartungen, gestellt an Folgegenerationen, die als Kinder schon durch die Firma flitzten und die jeder im Ort, in der Firma, in der Kundschaft und in den Medien kennt. Mit Sprösslingen, die – so die Hoffnung – das Unternehmer-Gen geerbt haben mögen. Die ohne Frage früher oder später in die Fußstapfen der Familie treten und deren Lebensweg vorbestimmt ist.
Muss ich das? Will ich das? Kann ich das? „Nein, muss ich nicht!“ Die Lyrics von „Ich muss gar nix.“ der Band Grossstadtgeflüster ist eine der möglichen Antworten auf die Frage „Will ich die Firma weiterführen?“. Es gibt selbstverständlich viele Optionen zwischen Abwicklung, Verkauf, Management einsetzen und selbst am Ruder stehen. Und je nach Lebensphase könnte die Antwort anders ausfallen. Wer aber „Nein“ sagt, der trifft nicht nur die persönliche Entscheidung gegen eine Verantwortungsübernahme. Ein „Nein“ kann immer auch als ein „Nein“ zur Familie, zur Familientradition und zur Gemeinschaft gelesen und als Scheitern interpretiert werden – sowohl von anderen, als auch von einem selbst. Wer will schon schuld sein, am „Tod der Dynastie“?
Ein Bauunternehmer aus Bremen sagte 2021 in einem Interview, er würde seinen Kindern eine Übernahme nicht ans Herz legen wollen. Er habe das große Glück gehabt, aus dem „Nichts“ bis heute ein beachtliches Firmenkonsortium erschaffen haben zu können. Seine Fußstapfen seien aber derart groß und die Wahrscheinlichkeit entsprechend gering, diese Erfolgskurve auch in Zukunft fortsetzen zu können. Resilienz ist eben leider nicht vererbbar! Auf sein „Nein, musst du nicht!“, auf seine gut gemeinte Empfehlung und vielleicht sogar seinen Wunsch könnte aber auch ein klares Bekenntnis der Folgegeneration folgen:
„Ja, ich will.“
Bilder:
Illustration Klowand: MEISSNER The Resilience Company GmbH